Inspiration RICHARD WALCH

ACTION IM SCHNEE

EXTREMSPORT-FOTOGRAF RICHARD WALCH

Der Canon Ambassador zählt zu den erfahrensten Actionfotografen weltweit. Bekannt ist der Fotograf und Filmer aus Augsburg vor allem für seine Snowboard-, Ski- und Segelbilder. Walch arbeitet für Athleten und Hersteller aus dem Winter- und Wassersportbereich und ist unter anderem Teamfotograf für das deutsche America‘s-Cup-Team.

Du hast dich auf Actionaufnahmen bei Schnee- und Wassersportarten spezialisiert. Wie kam es dazu? »Ursprünglich wollte ich Profi-Snowboarder werden, aber ich war in Wirklichkeit nicht gut genug. Also hab ich mir gesagt: Wenn ich nicht gesponsert werde, fotografiere ich halt meine Freunde, die wirklich gut sind. Mit der Zeit hat sich daraus ein Business entwickelt.«

 Was reizt dich an der Sportfotografie im Winter? »Das Spannende ist für mich die Kombination einer außergewöhnlichen Landschaft mit dem sensationellen Trick eines Athleten. Am liebsten fotografiere ich Freeride-Fotos, also Situationen abseits der Piste.«

»Bei Actionmotiven arbeitet man am besten im Serienbildmodus«

Worauf sollte ich als Fotograf beim Thema Winter-Action achten? »Wichtig ist, dass ich weiß, wo ich mich gerade bewege, um die Sicherheit zu gewährleisten. Entscheidend für gute Bilder ist auch die enge Absprache mit dem Athleten. Ich arbeite dafür mit Funkgeräten, es gibt aber auch einfache Tricks, mit denen man sich verständigen kann. Oft lasse ich den Snowboarder oder Skifahrer einen Schneeball an die Stelle werfen, an der er seinen Stunt machen will. Dann weiß ich, wie ich meine Kamera aus- bzw. einrichten muss.«

Was heißt das konkret? »Der Autofokus sollte im ›AF Servo‹-Modus stehen, so folgt er automatisch dem bewegten Motiv. Bei Actionmotiven arbeitet man am besten im Serienbildmodus. Mein Tipp lautet: frühzeitig auslösen! Wenn ich schon während der Anfahrt fünf Bilder durchlaufen lasse und dabei den Autofokus mitführe, ›lernt‹ die Kamera und stellt im entscheidenden Moment sicher scharf. Weiß ich bereits, an welchem Punkt der Strecke die Action passieren wird, setze ich den AF-Punkt mit dem Joystick meiner EOS R5 oder EOS R6 oder über das Display meiner EOS R Kamera dorthin. Sobald der Athlet diesen Punkt erreicht hat, übernimmt der AF Servo die Scharfstellung. So ist die Bildausbeute am größten.«

Ein scharfes Bild ist gut – aber nicht automatisch spannend. Wie erzeuge ich Dynamik? »Zum Beispiel durch die Perspektive. Ein Kamerastandpunkt, der tiefer ist, als der des Athleten, lässt dessen Aktionen imposanter erscheinen. Wenn ich in einer Halfpipe fotografiere, geh ich tief in die Hocke. Einfach zu handhaben, aber wirkungsvoll: Kleider in knalligen Farben heben sich besser von der Umgebung ab als schwarze oder weiße. Das Maximum an Spannung liefern aber Gegenlichtaufnahmen.«

Die sind aber nicht leicht zu meistern, oder? »Doch. Die Kameras und Sensoren sind inzwischen so gut, dass sie mit dieser Lichtsituation souverän umgehen. Wenn die Sonne dann noch vom Athleten verdeckt wird, ist das perfekt – buchstäblich der ›Golden Shot‹.«

Belichtungstechnisch sind Schneelandschaften extrem. Dein Rat? »Man sollte die Belichtung nicht der Automatik überlassen. Die ›sieht‹ vor lauter Weiß nämlich alles überbelichtet und regelt die Belichtungszeit so weit runter, dass der Schnee am Ende grau wird. Ich empfehle den manuellen Modus – und eine Faustregel, die überall im Schnee funktioniert: 1/1.000 sec und Blende 8 bei ISO 100. Bei Actionbildern sollte man das abwandeln auf 1/2.000 sec bei ISO 200. Wenn in den Morgen- oder Abendstunden zu wenig Licht da ist, öffnet man die Blende einfach um eine oder zwei Stufen.«

Was gilt es sonst noch, zu beachten? »Das Geheimnis liegt darin, morgens und gegen Abend zu fotografieren, dann ist die Lichtstimmung am schönsten. Mittags kann man sich als Fotograf getrost schlafen legen, dann ist die Sonneneinstrahlung einfach zu hoch und die Schatten werden sehr hart.«

Zum Equipment: Worauf muss man bei der Actionfotografie im Winter achten? »Zunächst auf ein paar einfache Dinge. Schütze dein Objektiv mit einer Gegenlichtblende, die hilft auch vor Überstrahlungseffekten. Wenn du mittags in die Hütte gehst, lass deine Kamera draußen oder im geschlossenen Rucksack, sonst kann sich Feuchtigkeit zwischen den Linsen sammeln. Und: nimm ausreichend Ersatz-Akkus mit. Das gilt insbesondere für spiegellose Kameramodelle.«

Womit wir bei der Gretchenfrage wären. DSLM oder DSLR: Was ist besser in der Winter-Actionfotografie? »Beide System haben ihre spezifischen Vorzüge. Im Schnee ist es so hell, dass eine Bildbeurteilung am Display schwierig werden kann. Hier bieten die EOS R Modelle mit ihrem elektronischen Sucher klare Vorteile. Andererseits möchte ich meine EOS 1DX Mark III auf keinen Fall missen. Es ist die robusteste Kamera des EOS Systems, sie hat einen überragenden Autofokus, und sie arbeitet sehr stromsparend, macht also auch an langen Shooting-Tagen nicht schlapp.«

Richards Favoriten:

<< EOS R6 &
RF 15-35mm F2.8L IS >>

RICHARD WALCH PHOTOGRAPHY & FILM

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